Die Steinlaus in Wanne-Eickel

Oder:

Was Loriots »possierlicher kleiner Nager« mit einer Kirche in Röhlinghausen zu tun hat

Was hat die berühmte Steinlaus von Loriot, die seit Mitte der 1980er Jahre sogar im medizinischen Wörterbuch »Pschyrembel« erwähnt wird, mit der St. Barbara-Kirche im Wanne-Eickeler Stadtteil Röhlinghausen zu tun?
Eine ganze Menge!
St. Barbara Kirche Röhlinghausen, 1950er JahreKirchengebäude in den 1950er Jahren

St. Barbara Kirche Röhlinghausen, Sprengung 1965Sprengung des Kirchturms am 22.10.1965

Loriot als Dr. Grzimek mit der Steinlaus, ARD 1976Loriot als Dr. Bernhard Grzimek, ARD 1976

Steinlaus unter dem Mikroskop, ARD 1976Steinlaus unter dem Mikroskop, ARD 1976

Steinlaus bringt Kirche zum Einsturz, ARD 1976Steinlaus bringt Kirche zum Einsturz, ARD 1976

Das oberen beiden Fotos zeigen die alte St. Barbara-Kirche in Wanne-Eickel Röhlinghausen in den 1950er Jahren und bei der Sprengung des Turms am 22. Oktober 1965.
Die drei Szenenausschnitte unten zeigen Loriot als Dr. Bernhard Grzimek mit der Steinlaus sowie den Einsturz der St.Barbara-Kirche Kirche in der Sendung »Loriot« von Radio Bremen aus dem Jahr 1976.
Die St. Barbara-Kirche in Röhlinghausen wurde 1912 nach knapp vierjähriger Bauzeit eingeweiht und überstand den zweiten Weltkrieg − trotz eines Brandes in der Sakristei aufgrund eines Bombenangriffs − weitgehend unbeschädigt.

Zu Beginn der 60er Jahre zeigten sich aber verstärkt Beschädigungen am Gebäude aufgrund von durch den Bergbau verursachte Bodenabsenkungen.

Diese Bergschäden führten dazu, daß die Kirche 1963 geschlossen werden mußte. Da eine Sanierung nicht möglich bzw. zu teuer geworden wäre, entschloß man sich, das alte Gebäude durch einen Neubau zu ersetzen.

Die alte Kirche mußte dazu natürlich abgerissen werden, was eine Sprengung des Kirchturms erforderlich machte.

Die Sprengung des Kirchturms erfolgte am 22. Oktober 1965 und wurde von einem Filmteam des WDR für die Sendung »Hier und Heute« (damals noch eine regionale Nachrichtensendung) aufgenommen.
Nach der Ausstrahlung des Beitrags verschwand das Filmmaterial aber zunächst in den Archiven des WDR.

Mehr als zehn Jahre später, 1976, produzierte Loriot (alias Vicco von Bülow) seinen genialen Sketch über die Steinlaus. Als Prof. Bernhard Grzimek schilderte er darin das Leben dieses »possierlichen kleinen Nagers«, der sich von Silikaten, also von Steinen, ernährt, die er vorzugsweise in Gebäuden findet.

Loriot kommentierte das mit den Worten: »Da konnte es dann schon passieren, daß ein Bauwerk im Ganzen etwas nachgab.«

Bewiesen wurde diese Aussage mit diversen Filmausschnitten aus dem Archiv, die einstürzende Gebäude zeigten, die in Wirklichkeit natürlich durch Sprengungen zerstört worden waren.

Zitat AnfangDa konnte es dann schon passieren,
daß ein Bauwerk im Ganzen etwas nachgab.
Darunter litten allerlei öffentliche Gebäude,
hier und da auch mal ein Gotteshaus.Zitat Ende
Loriot als »Prof. Grzimek«

Der Film endet mit der Schlußbemerkung von »Prof.Grzimek« alias Loriot: »Natürlich konnten die kleinen Tierchen nicht unterscheiden, ob ein Haus noch benutzt wurde oder nicht. Darunter litten allerlei öffentliche Gebäude, hier und da auch mal ein Gotteshaus.«

Als Beispiel für diese Aussage wurde ein einstürzender Kirchturm gezeigt: Die Sprengung der St. Barbara-Kirche, die der WDR zehn Jahre zuvor gefilmt hatte.

Das Internet-Lexikon Wikipedia schreibt übrigens über die Steinlaus:

Die Steinlaus (wissenschaftlich Petrophaga lorioti) ist ein zum Stamm der Fabelwesen gehörendes Nagetier, circa 20 bis 24 mm lang. Die Steinlaus wurde zuerst 1976 vom Humoristen Loriot bei Forschungsarbeiten an einer Parodie auf den Frankfurter Zoologen Dr. Bernhard Grzimek entdeckt.
In dem populärwissenschaftlichen Fernsehbeitrag wird ein scheuer Nager beschrieben, der sich von Silikaten, also von Steinen, ernährt. Der Tagesbedarf einer Steinlaus wird mit 28 Kilogramm angegeben. Bis dahin existierten kaum fundierte Hinweise auf die Steinlaus in der Fachliteratur. Es ist Loriots großer Verdienst, den »possierlichen kleinen Nager« einem größeren Publikum vorgestellt zu haben.
(...)
1983 nahm sich das medizinische Wörterbuch Pschyrembel aus dem Berliner Wissenschaftsverlag Walter de Gruyter erstmals der Steinlaus an. Der knappe, aber informative Eintrag in dem renommierten Nachschlagewerk stützt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit in wesentlichen Punkten auf Loriots Erkenntnisse.


Quellen:
www.wikipedia.de
www.kolping-roehlinghausen.de
www.radio-bremen.de