Notizen aus einer Abhandlung über die Kolonisation des Ermlandes

von Prof. Victor Röhrich

(Originalabschrift)

Das Ermland (polnisch: Warmia), ehemalige Landschaft im mittleren Ostpreußen, erstreckte sich dreieckig vom Frischen Haff (Ostsee) nach Südosten bis zur masurischen Seenplatte.

Das Ermland, der altpreußische Gau Warmien, wurde 1243 als eines der vier Bistümer des Ordenlandes eingerichtet und von den Bischöfen, die seit dem 14. Jahrh. Reichsfürsten waren, großenteils mit schlesischen Bauern besiedelt, die bis zur Gegenwart ihre Mundart und ihren kath. Glauben bewahrten.

Vom 25. Mai 1310 datiert die Urkunde, durch den Bischof Eberhard von Ermland unter Zustimmung des Kapitels dem jüngsten der Lichtenauerschen Brüder, dem Hermann von Bludau und seinen rechten Erben und Nachfolgern, das Feld Klopotyten und den dritten Teil der Wiese Paringe (64 gemessene Hufen) verschrieb im Austausch gegen die in Pogesanien aufgegebenen Felder, die ihm der einst Bischof Heinrich I. übereignet hatte.
Der Beiname »von Bludau«, den Hermann, der erste Besitzer des Feldes Klopotyten führt, macht seine Herkunft aus Böhmen wahrscheinlich, wo sich Ortschaften dieses Namens in den Kreisen Czaslau und Lusweis finden.
Vielleicht schon unter Bischof Anselm, der mehrmals als päpstlicher Legat in Böhmen war, sind die Lichtenaus ins Ermland gewandert, denn schon am 17. April 1298 wird Hermann dictus Bludau erwähnt.
Hermann war in den Jahren 1304 und 1305 Kapitelsvogt. Nach seiner offiziellen Beleihung mit dem Gute, dem er den Namen gab, wird er nicht mehr genannt, er ist wohl nach 1310 gestorben.
Die Brüder Alexander und Johannes von Bludau sind ohne Zweifel seine Söhne, da nur seine direkten Nachkommen zur Führung dieses Namens berechtigt waren.
Alexander von Bludau wird am 14. Mai 1308 zum ersten Male erwähnt, zum letzten Male am 4. Februar 1322. Eine Urkunde vom 15. Oktober 1317 nennt ihn Kapitelsvogt.
Johannes von Bludau wird zweimal erwähnt, am 25. Januar und 12. Juni 1314.
Unter Bischof Johannes Stryprock (1355 - 1373) erwarb ein Heinrich von Bludau Schulzengut und Schulzenamt im Dorfe Kerschdorf bei Heilsberg.
Um das Jahr 1374 lassen sich die Ritter Hermann und Eberhard von Bludau in Braunsberg nachweisen. Ein Zweig aber blieb auf dem Stammgute und erwarb noch das benachbarte Dittersdorf hinzu.
Zu Anfang des 15. Jahrhundert gehören beide Güter einem Ritter Eberhard von Bludau, der 3 Söhne hat, Johannes, Maternus und Konrad sowie eine damals bereits verheiratete Tochter. Das Gut Bludau war inzwischen zu einem Dorfe aufgetan, dessen Bauern dem Grundherrn Zins zahlten. Die Vermögensverhältnisse der Besitzer von Bludau scheinen zu Anfang des 15. Jahrhundert nicht mehr die Besten gewesen zu sein; die Kriege der nächsten Zeit zerrütteten sie vollends.
Gegen Ende des 15. Jahrhundert befindet sich das Gut im Besitze der Familie von Baysen; die Familie von Bludau ist in den Kriegswirren verschollen.

Familie Barkowski oder Rarkowski (mündliche Überlieferung).


Quelle: www.bludau.info
www.bludau-family.de