Geschichte des Fürstbistums Ermland

von Geheimrat Dr. Victor Röhrich
(Ordentlicher Professor an der Staatlichen Akademie zu Braunsberg)

Braunsberg 1925

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Westlich von Bischdorf am rechten Baudeufer zogen sich die 90 Hufen hin, die Heinrich Fleming unter dem 14. März 1297 dem Martin von Rutenberg, dem Sohn des verstorbenen Bartolomäus von Rutenberg, als Gut zu kulmischem Recht verschrieb und auf denen bald darauf die Gutsdörfer Groß- und Klein-Rautenberg entstanden. Zwei Monate später, am 15. Mai 1297 erhielt das Gut Kurau sein Privileg. Zu einer Größe von 40 Hufen, die in den Feldern Gechriten (Jägeritten), Kurwen (Kurau) und Clopetiten lagen außerdem ein Drittel der anliegenden Wiese Poziegen umfaßten, übertrug der Bischof dem Gerko (Gerhard), einen der Brüder von Lichtenau, als Ersatz für seine frühere Begüterung in Watinin (Wagten) an der Drewenz, die er wieder dem bischöflichen Tisch überlassen hatte. Das heutige Dorf Kurau ist nur ein Stück des alten Gutes, das nach Norden bis hin zum Fuchsberg und zum Kurauschen Moosbruch reichte, in den Kriegen des 15. Jahrhunderts zum Teil wüst wurde und wieder mit Wald bestand.
Vermutlich zu der selben Zeit, da Heinrich I. dem Martin von Rautenberg sein Gut verbriefte, verlieh er westlich von der Baude dem Ritter Dietrich von Ulsen 100 Hufen, in die sich bald darauf die Gutsdörfer Heinrichsdorf und Vierzighuben teilten. Auch sie gingen in den wilden Zeitläufen, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts das Ermland heimsuchten, zu Grunde. Sie wurden dann zwar zwei Jahrhunderte später wieder angesetzt, aber ein Teil der Hufen, der heutige Forstbelauf Riederwald, blieb landesherrlicher Wald, ein anderer Teil fiel an das Dorf Bludau.
Im Sommer des Jahres 1298 verließ Bischof Heinrich Fleming abermals seine Diözese, um nach Mitteldeutschland zu gehen. In den letzten Oktobertagen des genannten Jahres weilte er auf dem Elchsfeld; im September 1299 und noch Ende Februar 1300 läßt er sich in Thüringen nachweisen. Wahrscheinlich wollte er dort für sein fernes Bistum neue Ansiedler gewinnen. Kurz nach seiner Heimkehr schlug ihm am 15. Juli 1300 sein letztes Stündlein. In der Dorfkirche zu Frauenburg unter dem Stein vor dem Altar ward seine irdische Hülle beigesetzt. Des Bischofs Gebeine sind Längst Staub und Asche geworden. Sein Leichenstein hat nur zum Teil dem Sturm der Zeiten widerstanden. Ein Bruchstück, dessen oberer Teil fehlt, lag er in der Kathedrale zwischen dem Altar des Mittelschiffes und dem ersten nördlichen Pfeiler. Aber unvergessen bleibt, was Bischof Heinrich I. für die Besiedelung des Ermlandes getan hat.


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Nur aus dem Walde Stemkies oder Stehneken zwischen Sonnwalde und Lichtenau ist noch nach 1772, also in der preußischen Zeit, durch Rodung das Dorf Steinkerwalde geworden.
So hatte sich das Kapitel von Ermland bei der Lösung der großen Aufgabe der Erschließung und Urbarmachung des Fürstbistums den Bischöfen ebenbürtig zur Seite gestellt. Das Erreichte ermutigte zu weiterem, rüstigen Wirken und Schaffen.
Im Gebiet westlich Baude, das ums Jahr 1317 ganz unter die Landeshoheit des Frauenburger Kapitels gekommen war, hatte Bischof Eberhard, der Nachfolger Heinrichs I., am 25. Mai 1310 dem jüngsten der Brüder von Lichtenau dem Hermann von Bludau, das Feld Klopotiten und den dritten Teil der Wiese Puringe als kulmisches Gut verschrieben zum Ersatz für die ihm einst von Heinrich I. in Pogetanien verliehenen Felder Zxgeniten und Swarboniten (die Gegend des heutigen Waltersmühl an der Passarge).
Das Gut Bludau, wie es nach seinem ersten Besitzer genannt wurde, ward schon sehr frühe zu einem Dorfe aufgetan, dem jetzigen Kirchdorf Bludau.
Die noch unvergebene Südwestspitze des Gebietes überließ das Kapitel einem Hermann Kurrseg (Wagenmacher, Wagner) zur Ansetzung des Dorfes (Alt-) Münsterberg, das am 12. Juli 1321 seine handfeste erhielt.
Das zwischen Marz und Baude gelegene Stück des Fürstbistums Ermland bildete fortan das domkapitulärische Kammeramt Frauenburg; die Terra Wewa gab das zweite Kammeramt des Kapitels, das Kammeramt Mehlsack ab. Alls drittes trat nach der Aufteilung des südlichen Ermlandes im Jahre 1346 Allenstein hinzu. Auch das bischöfliche Gebiet wurde in solche Bezirke geschieden. Hier entstanden mit der fortschreitenden Besiedlung des Landes nach und nach die 7 Kammerämter Braunsberg, Heilsberg, Wormditt, Guttstat, Seeburg, Bötzel und Wartenburg. Es geschah diese Einteilung in Kammerämter der besseren Übersicht und Verwaltung wegen. An der Spitze eines jeden Kammeramtes stand ein Kämmerer, dessen Hauptaufgabe eben die Verwaltung des ihm unterstellten Bezirkes war. Diese Kämmerer, durchaus zuverlässige und bewährte Leute, wurden, wenigstens in der ersten Zeit, wohl ausschließlich aus der alteingesessenen Bevölkerung genommen, zu der sie etwa in demselben Verhältnis standen, wie die Schulzen zu den Insassen der deutschen Dörfer, nur daß der Bezirk, den Kämmerer zu beaufsichtigen hatte, ein viel größerer war, einen ganzen Gau oder doch die Unterabteilung eines solchen umfaßte, ein Gebiet, das man später [...]


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Die Furcht vor den Überfällen der Litauer veranlaßte dann am 20. November 1347 die Überführung des Stiftes nach dem festen Guttstadt. Glottau aber blieb, wie es in der Verlegungsurkunde heißt, Titel- und Mutterkirche »wegen der Verehrung des heiligsten Altarssakramentes, durch das dort Wunder geschehen und fromme Wallfahrten des Volkes veranlaßt werden«. Zu Guttstadt hat das Kolegiatstift bis zum Jahre 1810 bestanden.
Bei der Besiedelung des Landes standen vor allem allen die Vögte der Herrschaft beratend und helfend zur Seite. Eine ganze Anzahl angesehener Männer hat unter Bischof Eberhard das wichtige Amt des Bistumsvogtes versehen: Otto von Rossen, Johannes, Bruder (des Deutschen Ordens) Konrad von Altenburg, Alexander von Bludau, Bruder Rutcher, Bruder Friedrich von Liebenzelle; am längsten Otto von Rossen, der sich als Vogt der ermländischen Kirche vom 20. Juni 1305 bis zum 04. Juli 1307 und wieder vom 08. Juli 1311 bis zum 26. März 1313 nachweisen läßt. Zum Lohn für seine treuen, dem Bistum geleisteten Dienste verschrieb Bischof Eberhard unter dem 26. März 1313 ihm und seinen Kindern beiderlei Geschlechts von seiner zweiten rechtmäßigen Gemahlin Gernscha, (44 Hufen bei Wormditt) als Lehen zu kulmischem Recht, in die sich heute das Dorf Albrechtsdorf und das Gut Adelig Albrechtsdorf teilen, (welch letzteres) jetzt zum Gut Lemitten gehört.
Auch sonst wußte der Bischof treue Dienste zu vergelten. Sein persönlicher Diener, der Stammpreuße Steham, erhielt am 13. Juli 1313 im Felde Wozo bei Benern das 6 Hufen große Gütchen, (das bald darauf Sadluten heist) und später zum Dorf Gronau geschalgen wurde.
Benern selbst, das ein Otto von Fischau auf dem Felde Dissemen und den an anstoßenden Fluren gründete, ward am 13. Juli 1316 privilegiert.
Die Ansetzung der Ortschaften Dietrichsdorf und Voigtsdorf bei Arnsdorf, Groß Grünheide und Klein Grünheide bei Wormditt erfolgte gleichfalls noch unter Bischof Eberhard. Das gut Dietrichsdorf, dessen Gebiet der Litauereinfall von 1311 schwer getroffen hatte, übertrug der Bischoff am 03. Oktober 1320 seinen beiden Neffen Dietrich und Heinrich, den Söhnen Arnolds von Neiße. Lokator des Dorfes Voigtsdorf wurde ein Heinrich von Kaltstein, dem es am 25. Juli 1329 z. Zt. Sedisvakanz, z. Zt. der Erledigung des Ermländischen Bischofsstuhles, der damalige Bistumsvogt, der Ordensbruder Friedrich von Liebenzelle, verschrieb. Die Güter Groß- und Klein Grünheide, 21 Hufen im Felde Lehlaufen, wurden am 04. Februar 1322 den Kindern des verstorbenen Johannes Fleming, seinem Sohn Albert und seinem Schwiegersohn Albert von Bas [...]


Quelle: www.bludau-family.de